Dienstag, 19. April 2011

Fünf Minuten mit... #3


Hallo ihr Lieben!
Es ist mal wieder Zeit für ein weiteres Interview :) Beim Stöbern im Internet bin ich auf eine Autorin gestoßen, die mit Romantasy-Thrillern aus und in Deutschland von sich reden macht. Die schönen, aber schlichten Cover hatten es mir sofort angetan (ja ich achte bei Büchern sehr auf die Covergestaltung - aber nicht ausschließlich). Besonders gut finde ich, dass ihre Romane in Hamburg spielen - fast vor meiner Haustür. Da spürt man eine gewisse Verbundenheit :) Ein Pluspunkt für mich ist es außerdem, dass es mal nicht um Vampire geht. Nichts gegen Vampire, es gibt eine Menge gute Bücher zu diesem Thema - aber eben viel zu viele und seit den Zeiten der Bis(s)-Reihe und den Twilight-Filmen, finde ich es schwer einen guten Fantasyroman zu finden. ABER, die Suche hat nun ein Ende, denn Olga Krouks Trilogie sticht hervor! Warum? Lest selbst :)

 Olga A. Krouk
Foto: Henriette Mielke, Style/Design: Svitlana Cherner
Olga Krouks bisheriges Leben liest sich wie ein Roman. In Moskau geboren studierte sie in den 90er Jahren Informatik an einem College, an dem viele Fächer auch auf Deutsch unterrichtet wurden. Sie entdeckte die deutschen Sprache  für sich und wandte ihre Kenntnisse in Austauschprogrammen an.
2001 zog sie um - aus ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg in unsere Hauptstadt Berlin.
Durch das Internet - dem Olga, wie sie selbst sagte, eher skeptisch gegenüber stand - lernte sie ihren Mann kennen. Sie ist glücklich verheiratet und hat einen Sohn. 
Mit ihrer Liebe zur deutschen Sprache entstanden folgende Romane:

[Fünf Minuten mit Olga Krouk] 

Im Moment sind Buchreihen der Renner – ich bin bei Lovelybooks.de als Moderatorin für die Buchfrage unterwegs und bekomme fast täglich Fragen nach Buchreihenempfehlungen (meist ohne Vampire, aber gerne Fantasy/Mystery) – was zeichnet Ihre Reihe aus?
Ich lege sehr viel Wert auf einen komplexen Hintergrund und auf die Charaktere, die durchaus vielschichtig sind und sich im Verlauf der Handlung immer weiterentwickeln. Mein Ziel ist es, Figuren agieren zu lassen, die nicht bloß überaus sympathisch oder abgrundtief böse sind; und eine Handlung präsentieren, bei der man selbst mitraten kann. Das schätze ich als Leser sehr und als Autorin bin ich bestrebt, dies auch meinen Lesern zu bieten. Sowohl der Hintergrund als auch die Charaktere meiner Geschichte offenbaren sich dem Leser im Verlauf der Trilogie mit jedem Band ein Stück mehr. Je weiter man liest, desto mehr kann man also entdecken und vielleicht wird man dazu verleitet, die ursprüngliche Meinung zu revidieren.

Im Mittelpunkt der Trilogie stehen keine Vampire und Gestaltwandler, obwohl meine Wesen durchaus ein paar Ähnlichkeiten mit diesen VIPs des Genres aufweisen. Für die Nachzehrer habe ich deutsche Mythen benutzt, die Untoten sehr interessante Züge verleihen. So wurden sie im Mittelalter für die Pest-Epidemien verantwortlich gemacht, ich schiebe die Schweinegrippe auf sie. Für die Metamorphe standen indianische Überlieferungen Pate. Ähnlich dem Totemtier haben die Metamorphe Seelentiere, die sie begleiten. Ein Metamorph kann sich mit seinem Seelentier geistig verbinden und in seinem Körper agieren. Vor diesem Hintergrund habe ich meine Trilogie aufgebaut, in der es um Intrigen, Feindschaften, Freundschaften und natürlich Liebe geht.

Ich hab gesehen, dass ihre Bücher in Deutschland spielen. Haben Sie sich bewusst für eine reale Umgebung entschieden oder gibt es in Ihren Büchern auch eine fiktive Welt?
Ich möchte dem Leser gern das Magische vor seiner eigenen Tür zeigen, denn Deutschland – in meinem Fall Hamburg – verbirgt unzählige Orte voller Geheimnisse. Eine rein fantastische Welt begeistert mich – auch als Leserin – etwas weniger, weswegen ich den realistischen Aspekt auch weiterhin gern beibehalten möchte. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich mich vor reinen Fantasy-Ideen verschließen würde. Ich bin durchaus bereit, auch mich selbst zu überraschen.

Was viele Leser interessiert, denn wir kennen das alle aus der Schulzeit – die Schreibblockade. Was machen Sie, wenn Ihnen mal nichts einfällt? Gibt es solche Momente überhaupt oder sprudelt es in Ihrem Kopf nur so vor Ideen und Szenarien?
Der wunderbare Kollege Thomas Finn meinte einst: Es gibt keine Schreibblockaden, es gibt nur schlecht geplottete Geschichten. Aus meiner Erfahrung kann ich diese Aussage voll und ganz bestätigen. Bevor ich zu schreiben beginne, plotte ich sehr ausführlich. Gleichzeitig bleibe ich beim Schreiben für alle mir zufliegenden Ideen offen und wenn mir eine interessantere Lösung einfällt, füge ich sie in den vorhandenen Plot ein. Dadurch sehe ich die Veränderungen, welche die Idee im ursprünglichen Verlauf hervorruft, deutlich und kann diese beim Schreiben besser beachten.

Wenn das Schreiben nicht so flüssig läuft, wie gewohnt, ist das bei mir ein fast sicheres Zeichen, dass mit dem Text etwas nicht stimmt: Ist eine Lösung vielleicht nicht genug nachvollziehbar? Verhalten sich die Figuren nicht  ihren Charakteren entsprechend? usw. Schreibblockade entsteht bei mir im Unterbewusstsein, wenn ich merke, dass etwas noch nicht stimmig ist. Der stockende Schreibfluss versucht mich dann auf das Problem rechtzeitig aufmerksam zu machen.

Was gefällt Ihnen selbst am meisten an dem Genre in dem Sie sich bewegen? Was fasziniert Sie so daran?
Die Möglichkeit, Realität und Fantasie miteinander zu vereinen, den Alltag magisch zu gestalten und die Leser zum Träumen zu bewegen. Ich finde es aufregend, sich vorzustellen, dass unsere Welt mehr Geheimnisse enthält, als wir es vielleicht vermuten.

Gibt es neben dem Schreiben noch andere Tätigkeiten denen Sie nachgehen?
Ich hatte das Glück, mein größtes Hobby zum Beruf zu machen. Den anderen Teil der Tageszeit beansprucht mein kleiner Sohn für sich.

Man stellt sich fleißige Autoren ja immer hinter einem in Papier versunkenen Schreibtisch vor und wie sieht ihr Arbeitsplatz aus? Schreiben Sie am Computer/Laptop (bei letzterem – wo am liebsten? Gibt es einem Ort, an dem Ihnen die Ideen nur so zufliegen?) oder schreiben Sie auch mal mit Stift und Papier?
Normalerweise schreibe ich am PC. An den Wochenenden gehe ich mit dem Laptop ins Schlafzimmer – da passt mein Mann auf den Kleinen auf und ich kann in Ruhe arbeiten. Wenn man Abgabetermine hat, muss man eine gewisse Routine entwickeln, da darf man nicht wählerisch sein oder auf die Muse warten. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich zB. während einer Zugfahrt nicht schreiben kann. Ich habe stets das Gefühl, dass meine Sitznachbarn mir über die Schulter schauen und meine rohen Sätze lesen. Das löst eine sofortige Blockade in mir aus.

Mit Stift und Papier plotte ich sehr gern – wenn ich meine Figuren -Kreisdiagramme male, fördert das die Ideenfindung. Dadurch ergeben sich viele Schlüsselelemente, die meinen Plot stützen. Am PC funktioniert die Ideenfindung um einiges schwieriger, habe ich festgestellt. In dieser Phase muss ich einfach etwas herumkritzeln, um kreativ zu sein.

Wie sieht es bei Ihnen mit den Arbeitstiteln aus (gab es für Ihre Trilogie Arbeitstitel – wenn ja, welche)? Das interessiert mich immer sehr, denn ich kenne das selbst. Mir fällt eine Kurzgeschichte ein und mit jeder weiteren Seite passt ein anderer Titel besser und ich finde es auch immer witzig zu sehen, wie sich die Geschichte mit dem Titel verändert oder andersherum :) Verwenden Sie Arbeitstitel oder haben Sie den perfekten Titel bereits immer im Kopf?
Den endgültigen Titel wählt immer der Verlag, darauf hat man als Autor eher weniger Einfluss. Wenn man Glück hat, wird man in die Titelfindung mit einbezogen. Für „Schattenseelen“ lautete mein Arbeitstitel „Die Kehrseite der Nacht“. Bei den Nachfolgern habe ich mir gar keine Mühen gemacht, einen Arbeitstitel zu suchen, die Arbeitsordner hießen einfach nur „Nachzehrer 2“ und „Nachzehrer 3“. Bei dem aktuellen Roman für Heyne, an dem ich gerade schreibe, lautete mein Arbeitstitel „Dämmerungsblut“. Meine Lektorin wünschte sich diesmal aber einen längeren Titel und ich durfte brainstormen. Schließlich wurde ein Titel ausgewählt, der etwas mit Dämonen, Herzen und Blumen zu tun hat. Mal sehen, ob er es letztendlich auch auf das Cover schafft.

Worüber freuen Sie sich am meisten, wenn Ihr Buch erschienen ist?
Über das Gefühl, es endlich in den Händen zu halten. Dann weiß man: Es ist tatsächlich real, der Roman liegt nicht mehr als Datei in den Computern herum, sondern ist zum Anfassen da.

Und zur guter Letzt – was haben Sie für Pläne für Ihre Zukunft (privat und/oder beruflich)?
Natürlich weiter schreiben. Im April plane ich den aktuellen Roman für Heyne zu beenden, an dem ich schon viel zu lange sitze. Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Im Jahr 2012 ist die Membran, die unsere Welt von der magischen getrennt hat, gerissen. Dadurch drangen Dämonen, Engel und andere magische Wesen in unsere Realität ein. Seit diesem Ereignis sind fast 100 Jahre vergangen. Die Dämonen haben die Macht übernommen und unterdrücken die Menschheit. Das Sagen hat das Oberste Dämonenrat und wehe dem, der sich ihm in den Weg stellt.

Die Protagonistin Zarah ist ebenfalls eine Dämonin und arbeitet als Aufseherin für das Ordnungsamt, doch heimlich versucht sie, die Menschen zu retten, die in Ungnade gefallen sind und auf der Todesliste stehen. Dabei helfen ihr der Dämon Ashriel, ihr bester Freund, und der geheimnisvolle G.host.

Dieser Roman hielt schon viele Überraschungen für mich parat. Die größte bestand darin, dass ich wegen einer Randfigur den Schreibfluss unterbrochen und den Plot ziemlich umgeworfen habe, damit diese Figur eine der Hauptrollen übernehmen kann. Der Grund war ganz einfach: Ich habe mich in diesen Kerl verliebt. Mit einem einzigen Kurzauftritt hat er es geschafft, mir klar zu machen, dass Mr. Right, den ich für meine Zarah gedacht habe, gar nicht ihr Mr. Right ist.

Danach stehen schon zwei weitere Projekte in den Startlöchern, auf die ich mich auch schon sehr freue.

Liebe Olga, auf diesem Weg möchte ich mich bei dir bedanken :) Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um meine Fragen zu beantworten.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich nun unglaublich neugierig auf deine Bücher geworden bin und sie auf meine Wunschliste gesetzt habe. Irgendetwas faszieniert mich an den Geschichten und diese Verlangen will gestillt werden. Vielen Dank :)




Mehr zu der Trilogie und interessanten Einblicken in das Leben von Olga Krouk gibt es auf der ihrer Autorenwebsite.

Olga Krouks Bücher sind erschienen im Heyne Verlag.  

Kommentare:

  1. Sehr interessant; ich habe die Autorin schon länger auf meiner Liste stehen:-) Aber leider noch nicht zugegriffen. Aber das wird sich nun ändern.
    Das Olga in meiner Nähe wohnt,noch besser:-)
    Vielen Dank und ein schönes Osterfest
    LG HANNE

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  2. Ich denke auch, dass ich ihre Bücher bald lesen werde - ich finde die klingen unglaublich gut :)
    So ein Interview kann dem Bücherregal auch gut tun :D
    Wünsche dir auch ein schönes Osterfest.
    Lg, Ronja

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