Freitag, 20. Mai 2011

Fünf Minuten mit... #4


Es ist mal wieder Zeit für ein weiteres Autoreninterview. Und wie es immer so ist, wenn ich im World-Wide-Web unterwegs bin, stolpere ich immer über den ein oder anderen Autoren.
Und diesmal hat ein Autor meine Aufmerksamkeit erregt, welcher wundervoll satirische Bücher schreibt. Und zwar - unter anderem - noch über mein Lieblingsthema - bei dem ich schimpfen kann, wie ein Rohrspatz - der deutsche Bahn!
Im Anschluss an das Interview findet ihr noch eine kleine Aktion - über eine rege Teilnahme würden sich Lutz Schumacher und ich sehr freuen ;)

Lutz Schumacher
Foto: Conny Klein
Lutz Schumacher, geb. 1968, Journalist und Medienmacher, Geschäftsführer beim Nordkurier, Neubrandenburg. Zuvor Mitglied der Chefredaktion der Dortmunder Ruhr Nachrichten. Schumacher leitete von 1999 bis 2005 die Berliner Nachrichtenagentur ddp Deutscher Depeschendienst als Geschäftsführer und Chefredakteur.
(Quelle: Herder Verlag)
Erschienene Werke (Senk ju vor träwelling & We wisch ju a plessent dschörni gemeinsam mit Mark Spörrle):

[Fünf Minuten mit Lutz Schumacher]

Zu Beginn immer meine Lieblingsfrage: Was reizt dich an deinem Genre? Warum z.B keine Fantasyromane?
Zunächst mal: Ich könnte mir durchaus vorstellen, einen Fantasy/SF‐Roman zu schreiben, habe sogar schon ein paar Entwürfe gemacht. Vielleicht später einmal… Augenblicklich schreibe ich jedoch „satirische Sachbücher“. Dies gibt mir die Möglichkeit, Beobachtungen von Mitmenschen, gesellschaftliche Missstände und Reflexionen über unsere Gesellschaft in eine hoffentlich lustige Form zu verpacken und viele Dinge um mich herum zu kritisieren, ohne gleich belehrend zu wirken oder sonst wie herum zu nerven.

Wenn ich humorvoll geschriebene Bücher lese, dann frage ich mich immer, ob die Autoren privat auch so sind. Bist du ein lustiger/humorvoller Mensch – gar ein Kasper (: ?
Kasper? Ich glaub’s wohl… *Fratzezieh* *KomischenHutaufsetz* *Affigrumhüpf*
Äh, oh, sorry…
Nein ich bin ein nachdenklicher Mensch, der aber auch mal lacht, wenn’s passt. *Hüstel*

Dein Buch ‚Senk ju vor träwelling‘ – welch grandioser Titel – hat mich sehr angesprochen, weil ich selbst auch viel Bahn fahren muss. Was ärgert dich beim Bahn fahren am meisten oder welches (kurzes) Erlebnis wirst du nie vergessen?
Am meisten ärgert mich die katastrophale Informationspolitik, wenn es zu Störungen kommt. Schlimm genug, dass ständig irgendein Wasweißich zu „Verzögerungen im Betriebsablauf“ führt. Aber in vielen Fällen könnte eine rechtzeitige Information und die Benennung von Alternativen viel bewirken. Ich habe zum Beispiel mal sieben Stunden Verspätung in einem IC hinnehmen müssen, bei welchem ständig – und vor allem von Beginn der Fahrt an – Wagen ausfielen und abgehängt werden mussten. Hätten die gleich gesagt, liebe Leute wir haben technische Probleme mit diesem Zug, wäre ich einen Umweg gefahren, der mich aber nur eine Stunde gekostet hätte. Mein schlimmstes Erlebnis war allerdings eine Nacht auf dem Osnabrücker Bahnhof gemeinsam mit meinem damals dreijährigen Sohn. Und auch da hätte eine vernünftige Information alles verhindern können.

Und was mich natürlich noch brennend interessiert, warum es ausgerechnet die Bahn geschafft hat, so viel Stoff für ein Buch zusammen zu bringen? Oder gibt es da noch andere Lebensbereiche, denen man ein Buch ‚widmen‘ kann?
Naja, in der Bahn, Staatsunternehmen und Massentransportmittel, spielen sich schon viele gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme ab. Andererseits habe ich ja auch Bücher über den Wahnsinn des Autofahrens und über den noch viel größeren Wahnsinn geschrieben, der sich in großen, anonymen Konzernen abspielt.

Wie kommst es zu den Buchtiteln? Von vielen Autoren habe ich erfahren, dass sie keinen oder nur wenig Einfluss auf ihre Buchtitel haben. Wie sieht es da bei dir aus?
Nö, die bastele ich schon selbst. Allerdings geht es besser, wenn man in kreativem Austausch mit anderen steht. Bei den beiden Bahnbüchern hatte ich ja zum Beispiel meinen Mitautor Mark Spörrle.

Wie bist du zum Schreiben gekommen und was hast du vorher gemacht? Schule, Ausbildung? Es ist immer schön zu sehen, aus welch unterschiedlichen Richtungen Autoren kommen und wann sie beschlossen haben ein Buch zu schreiben.
Vor 25 Jahren steckte ich im Amazonas fest, es war Nacht und die Leoparden brüllten wütend und umkreisten mein Einmann‐Zelt. Da sagte eine innere Stimme: Lutz, du kommst hier nur raus, wenn du künftig lustige Bücher schreibst. Eigentlich wollte ich eine Metzgerlehre machen, aber das war dann der Wendepunkt…

Diese Geschichte mit noch erheblichen Ausschmückungen, z.B. über den Mundgeruch der Urwaldtiere, eignet sich natürlich hervorragend für Lesungen. Böse Stimmen behaupten allerdings, ich wäre noch nie im Urwald gewesen, und es gäbe dort auch gar keine Leoparden. Und dass ich Bücher schreiben könnte, läge schlichtweg daran, dass ich eigentlich Journalist sei. Das ist allerdings wesentlich langweiliger. So wie drei Stunden auf der Bahnstrecke festsitzen wegen „Böschungsbrand“. Naja, es kann schon sein, dass es eher solche Anlässe waren, die mich dann mein Laptop herausholen ließen, um mir Notizen zu machen.

Gibt es einen Ort, an dem du besonders gut schreiben kannst? Eine Ecke im Haus oder Büro, die dich besonders inspiriert? Und wenn wir gerade bei der Arbeit sind: Wie sieht dein Arbeitsplatz eigentlich aus? Aufgeräumt – chaotisch – beides (: ?
Zum Schreiben benötige ich entweder totale Abgeschiedenheit oder Anonymität. Sehr gut funktioniert es zum Beispiel in Hotellobbys oder Cafés. Wenn meine Familie oder Freunde um mich herum sind, kann ich dagegen nicht schreiben.
Zum Arbeitsplatz: Es ist ein funktionales Chaos, das zumindest ich irgendwie durchschaue. Ich habe mal eine Studie gelesen (das sage ich immer, wenn ich etwas beweisen möchte, ohne es beweisen zu können), dass kreative Menschen keine klassische Ordnung auf ihrem Schreibtisch halten können… 

Schreibst du zur Zeit an einem neuen Buch oder ist etwas in Planung? Erzähl doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen (:
Derzeit schreibe ich an zwei Büchern. Das eine entsteht wieder gemeinsam mit Mark Spörrle und heißt „Der Anschlusszug konnte leider nicht warten“. Es wird voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen. Das zweite Buch kommt im Frühjahr 2012 heraus und behandelt ein gänzlich anderes Thema. Aber darüber möchte ich noch ein bisschen schweigen. Vielleicht geht es um meine Abenteuer‐ und Fernreisen. Ich war immerhin schon in Österreich und Dänemark. 

Vielen lieben Dank für die Beantwortung meiner Fragen (:


Weitere Informationen zu den Büchern von Lutz Schumacher und Mark Spörrle gibt es hier auf der Website zu den Büchern.

Ach, und zu guter Letzt noch eine kleine Aktion - Lutz Schumacher sucht für sein neues Buch noch ein paar Leidensgeschichten aus der Bahn. Also, an alle Studenten, die dem täglichen Wahnsinn der Bahn ausgeliefert sind und überhaupt an alle Bahnfahrer, lasst uns an eurem Leid teilhaben. Postet eure Geschichte einfach als Kommentar :)


Lutz Schumachers Bücher sind im Herder und Goldmann Verlag erschienen.

Kommentare:

  1. Ich fange dann mal mit meinen Leidensgeschichten an - haben sich beide an einem Tag zugetragen -.-
    Ich wollte einfach nur zum Hauptbahnhof nach Hamburg fahren, steige gut gelaunt in den Zug und habe sogar mal einen Sitzplatz(!) gefunden (das ist bei uns nämllich Mangelware, da steht man an einem Freitag einfach mal 40 Minuten, nachdem man zuvor 8,5 Stunden bei der Arbeit gestanden hat :/).
    Auf jeden Fall hatte ich einen Sitzplatz, habe mein Buch herausgekramt und wollte - leider durfte ich nicht- in Ruhe lesen. Stattdessen hatte ich Unterhaltung von Mutti und Chayäään -.- (Schlimm genug, dass jeder Kinder kriegen darf, nun fahren die auch schon Bahn). Chayäään fand Bahn fahren nicht so toll wie Mutti und randalierte ein wenig. Trat gegen den Sitz, schrie und meine Nerven wurden immer dünner.
    Nach lautem und unentwegtem Schreien, rief die Mutti Vatti an und reichte das Handy an ihre heulende Tochter weiter, mit der Drohung 'Wenn du nicht ruhig bist, dann nehm ich dir den Papa wieder weg' - herrlich das nenne ich Kindererziehung. Aber das sollte es ja noch nicht gewesen sein. Aber die kleine Terrorziege ging mir dann doch zu sehr auf meine strapazierten Nerven und da habe ich das Abteil gewechselt ... da saß mir dann eine indische Frau gegenüber. Entspannt lehnte ich mich zurück und las mein Buch weiter.
    Nach einigen Minuten vernahm ich ein penetrantes Klicken und als ich über mein Buch schaute wurde mir schlecht. Die gute Frau knipste sich in der Bahn (in der Bahn!!!) die Fußnägel!! Ekelhaft.
    Als ich ihr sagte, dass das doch einfach mal gar nicht ginge, kam sie mir nur mit einem:'Ich nichts verstehen'
    Erneut bin ich aufgestanden und ein paar Plätze weitergegangen - übrigens hörte man immer noch die Schreie von Chayäään -.-
    Und das tollste an der Fahrt war, dass das Personal weder zu der randalierenden Chayään, noch zu der knipsenden Inderin ein Wort gesagt haben. Was geht in denen vor? Sowas geht überhaupt nicht... leider ist man aber auf diese Verkehrsmittel angewiesen.

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  2. Huhu, wie interessant! ich muss mal überlegen, ich bin ja jetzt auch knapp drei Jahre gependelt mit unserer lieben Bahn...

    Übrigens finde ich, dass man die Schriftfarbe leider sehr schlecht lesen kann. Es ist irgendwie ein bissel zu hell!

    LG
    Kathi

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  3. Huhu Kathi,
    vielen Dank für den Hinweis. Hab es gleich mal geändert :)
    Ist mir gar nicht aufgefallen - vorher hatte der Blog ja eine andere Hintergrundfarbe und da hatte ich es vergessen zu ändern :)
    Nun ist es besser zu lesen - Dankeschön :o)
    LG, Ronja

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