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[Rezension] Die letzte Flucht von Wolfgang Schorlau


Guten Abend ihr Lieben,

mein Laptop ist wieder da :) Ich muss gestehen, dass HP einen unglaublich tollen Kundenservice hat. Telefonisch hat es zwar gedauert herauszufinden, was meinem Laptop fehlte, aber dann wurde er eingeschickt. Am Dienstag wurde er abgeholt, mit der Aussage - er komme am 18. Oktober wieder und gestern war er wieder da :D Und er läuft wieder. Astrein :)

So, nun zum eigentlichen Thema. Vor kurzem habe ich wieder einmal an einer Leserunde bei Lovelybooks teilgenommen. Diesmal zum neuen Roman von Wolfgang Schorlau - 'Die letzte Flucht'. Ich habe bereits den Vorgänger 'Das München-Komplott' gelesen und mochte den starken politischen Aspekt seiner Bücher. Diesmal geht es - wie der Titel nicht vermuten lässt - um die Pharmaindustrie. Ein, wie ich finde, sehr spannendes und interessantes Thema. Vorallem, wenn man sich einmal die ganzen Recherchearbeiten (Quellen im Nachwort) anschaut. Ein sehr brisantes Thema: Was haltet ihr von der Pharmaindustrie?

Die letzte Flucht                                                                        .

Wolfgang Schorlau
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Verlag: KiWi Verlag
348 Seiten
8,99 € - Taschenbuch

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Kurzbeschreibung                                                                   .


Der sechste Fall führt Georg Dengler nach Berlin. Professor Dr. Bernhard Voss, Arzt an der Charité, wird eines schrecklichen Verbrechens verdächtigt. Sein Verteidiger bittet Dengler um Unterstützung. Dieser steht plötzlich vor einem Abgrund an Manipulationen. Fast beiläufig erzählt Schorlau zugleich eine Geschichte über den Widerstand gegen Stuttgart 21, in dem Denglers Sohn Jakob aktiv ist. "Zwei Jahre lang habe ich über die Pharmaindustrie recherchiert", schreibt Schorlau im Nachwort. "Ich kann es nicht anders sagen: Diese Industrie wird von einer beispiellosen kriminellen Energie getrieben." 


Rezension                                                                                .


Das Buch hat mich sehr gefesselt und sprachlos gemacht. Natürlich war mir klar, dass die Pharmaindustrie nicht ehrlich und korrekt ist, aber einige Details haben mich schon sehr schockiert. Ich finde, dass durch die ganzen Informationen der Handlungsstrang mit Bernhard Voss ein wenig in den Hintergrund rückt. Auch die spätere Aufklärung des Falls wirkt plump. Es scheint fast so, als hätte Schorlau sich verloren und versponnen und musste dann zu einem Ende kommen. Und dann ist mir im Buch etwas aufgefallen, was mir in der Form noch nie unterkam.

"Zwei Lehrerinnen erinnerten sich, Jasmin zusammen mit ihrer Freundin Vanessa gesehen zu haben. Mit Hilfe der Angaben Vanessas konnte die Polizei den Verlauf des Heimweges zumindest teilweise rekonstruieren: Die beiden Mädchen waren die Delbrückstraße entlang bis zur etwas größeren und belebteren Bismarckallee gelaufen. Dort hatten sich die beiden getrennt. Christine war zur nahe gelegenen Schwimmschule gegangen, um dort ihren kleinen Bruder abzuholen."
(Seite 61)
 

Wer ist Christine? Das hat mich beim Lesen sehr verwirrt. Christine ist die Frau von Bernhard Voss, aber nicht die Freundin von Jasmin. Ist Herrn Schorlau dort ein Fehler passiert, den niemand bemerkt hat? Scheinbar schon. Hat mich sehr aus der Bahn geworfen. 

Idee/Umsetzung
Ich bin ein großer Fan von politischen Büchern, vorallem wenn sie sich um die deutsche Politik drehen. Das Thema Pharmaindustrie begleitet mich schon länger, da ich eine Ausbildung im Gesundheitsbereich gemacht habe. Als ich die Leserunde sah, habe ich mich sofort beworben und war schnell Feuer und Flamme. Das Thema ist im Roman sehr gut umgesetzt - aber bei der Recherche auch kein Wunder :) Mit dem Roman lernt man die korrupte Maschenarie ein wenig verstehen und ich frage mich, bei wie vielen sich die Frage auftut - wenn der Roman gelesen wurde - ob sein Arzt das Essen selbst zahlt. Sehr gut ausgearbeitet, sehr gut geschrieben. Einzig und allein das Thema 'Stuttgart 21' wirkt wie eingeschoben. Kam mir fehl am Platz vor. Nicht, das es nicht interessant wäre. Auch in den kurzen Kapiteln sah man wieder, wie die Polizei und der Staat ihre Macht ausnutzen. Aber es harmonierte nicht mit dem Rest des Romans.

"Dengler beobachtete, wie einer von ihnen einem Mädchen kräftig auf die Brust schlug. Sie fiel rückwärts auf den Boden. Zwei Schüler, die dies gesehen hatten, protestierten. "Das könnt ihr doch nicht machen!" Der Polizist stieß beide zur Seite, schrie die Jungs an, kam auf sie zu, drohend, die Fäuste geballt. Seine Kollegen filmten alles."
(Seite 235)

Schreibstil/Sprache
Der Schreibstil ist leicht verständlich und lässt sich flüssig lesen. Somit kann man vollkommen in der Story versinken. Die kurzen und vorallem vielen Kapitel (ganze 78! - gut einige sind Kapitelchen :D) sind typisch für Schorlau und ich finde sie wunderbar. Der Perspektivwechsel ist klasse und man bekommt von allem etwas mit, bis sich irgendwann Wege kreuzen und später eventuell zusammenlaufen. Einige Kapitel sind mit Marketingfachbegriffen der Pharmaindustrie gespickt, aber auch diese sind verständlich und werten diese Kapitel auf, machen sie glaubwürdig.  Ein durchgängig gut geschriebener Roman - wie immer :)



Charaktere
Bis auf Dengler (den man aus den vorherigen Büchern kennt und nur dann), lässt kein Charakter wirklich tief blicken. Vorallem Daniel Kommareck fand ich unglaublich langweilig und naiv. Finn, seine Frau war da schon sympathischer.

"Neue Medikamente sind häufig nicht die besseren Medikamente. Bei bekannten Präparaten kennen wir die Wirkung, wir kennen die Nebenwirkungen, aber bei den neuen ..."
"Komm Finn, wir gehen. Sorry, wir brauchen einen modernen Arzt."
"Daniel!"
(Seite 314)

Meiner Meinung nach passen alle Charakter gut in ihrer vorgesehene 'Rolle', dennoch geht die Bindung zu ihnen nicht tief.

 Atmosphäre/Umgebung
Durch die vielen Perspektivwechsel stellte sich bei mir nie eine richtige Atmosphäre ein. Weder bei den Blockaden bei Stuttgart 21, noch in der Charité. Natürlich habe ich mir die Schauplätze vorstellen können, aber eher wie weiße, unfertige Plastiken. In einigen Szenarien war der 'Atmosphärenhauch' passend und auf den Leser übergreifend. Aber ein Spannungskribbeln blieb aus. Leider :/

Cover
Das Cover gefällt mir nicht besonders gut und es lässt auch nicht allzu sehr aufs Thema schließen. Aber - never judge a book by it's cover. Es ist ja der Inhalt der zählt. Deshalb geht dieser Punkt ja auch nicht in meine Bewertung mit ein. Ein Pluspunkt ist jedoch, dass die Cover der Dengler Romane schön einheitlich sind - das macht sich gut im Regal :)


Fazit                                                                                       .

Ein sehr gutes Buch, welches einem zeigt, was man eigentlich weiß, aber nicht wahrhaben möchte - es geht nicht mehr um die Gesundheit der Bevölkerung, sondern um den Profit der Pharmaindustrie. Trotz kleiner Abstriche auf jeden Fall ein tolles Buch. Für alle Fans deutscher und vorallem politischer Literatur ein Schmökern wert :)


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