Sonntag, 28. Oktober 2012

[Rezension] Callcenter von Sebastian Thiel


Hallo ihr Lieben,

ich hab endlich mal wieder die Zeit gefunden selbst an einer Leserunde teilzunehmen und konnte mich bei LovelyBooks auf eine tolle Runde zu dem Buch 'Callcenter' von Sebastian Thiel freuen.
Ich hatte mich für das Buch interessiert, weil ich selbst einige Zeit in einem Callcenter gearbeitet hatte und ich das Thema einfach gut fand.

Ein paar Tage später kam das Buch auch schon an und ich hatte es ein bisschen angelesen. SCHWUPP war ich auch schon mit der Hälfte durch. Der Rest hielt auch nicht mehr lange durch.
Es ist seit langem mal wieder ein Buch, welches ich verschlungen habe und innerhalb von zwei Tagen durch hatte.
Vielleicht lag es auch am Wochenende ;)

Bei dem Buch handelt es sich endlich mal um ein Buch, dass ich auch Männern uneingeschränkt empfehlen kann :D
Ich will euch auch gar nicht länger auf die Folter spannen.

Callcenter                                                                                 .

Sebastian Thiel
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Verlag: Schwarzkopf + Schwarzkopf
288 Seiten 
9,95 € (D) ~ Taschenbuch 

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Kurzbeschreibung                                                                   .

Andreas Seifeld arbeitet in einer Firma, die die meisten Menschen hassen. Er natürlich auch. In einem Callcenter. Auch sonst läuft in seinem Leben so einiges schief – sein Studium hat er abgebrochen, seine Beziehung droht in die Brüche zu gehen und er braucht dringend Geld. In Andreas reift ein genialer Plan, der die Welt der Callcenter revolutionieren und all seine Probleme lösen könnte. Doch im Callcenter gelten ganz eigene Gesetze …

Der Autor Sebastian Thiel kennt sich aus: Fünf Jahre seines Lebens hat er selbst in einem Callcenter vertelefoniert. In seinem autobiografischen Roman erzählt er temporeich und satirisch die Geschichte eines sympathisch normalen Callcenter-Agenten, der sowohl mit seinem Job als auch mit seinem Leben hadert – und entlarvt dabei die Methoden, mit denen Callcenter um jeden Preis versuchen, Geld zu verdienen. Willkommen auf der anderen Seite der Warteschleife!

Rezension                                                                                .


Ich hatte mich bei LovelyBooks für dieses Buch in der Leserunde beworben, weil ich selbst in einem Callcenter gearbeitet habe und noch immer im Telefonmarketing arbeite - aber hier ist es sehr seriös. Es hat mich unglaublich interessiert, ob ich die Einzige bin, die so ein schlechtes Bild von Callcentern und Zeitarbeit hat. Aber Gott sei Dank bin ich da nicht allein!

Idee/Umsetzung
Den Punkt finde ich bei autobiografischen Romanen immer sehr schwer. Ich meine, wie kann ich denn sagen, dass die Idee sein Leben niederzuschreiben doof war
Ich würde sagen, in der Hinsicht kann man nicht viel falsch machen. Da harpert es dann eher an der Umsetzung. Aber hier ist beides sehr gut gelungen. Auch wenn das Buch Callcenter heißt, geht es nicht pausenlos darum. Wir bekommen einen Einblick, viele - wie auch ich - erkennen sich sogar wieder. Aber es geht auch viel um das private Leben des Protagonisten. Ein gelungener und gut umgesetzter Mix.

Schreibstil/Sprache
Der Schreibstil ist flüssig, flott und unglaublich amüsant. Ich hatte das Buch innerhalb von zwei Tagen beendet, weil mich der Schreibstil so in einen Sog gezogen hat, dass ich ruckzuck auf der letzten Seite angekommen war. War selbst ganz überrascht. 
Aber ich mag es, wenn das Buch einen nicht loslässt und man durch die Seiten rauscht, es nicht aus der Hand legen kann.
Die Sprache war zwischendurch sehr hart - und ein kleiner Minuspunkt für mich waren die ständigen sexuellen Anspielungen. Nicht, dass ich sowas generell ablehne - aber es war mir ein Tick zu doll.
Das Gute daran: Es ist ein absolutes Männerbuch! ;) Also ein Minuspunkt, der zu einem dicken Pluspunkt wird.

"... hab ich fast vergessen. Das, was du dir geleistet hast, war natürlich ein epic fail. Als ich die Mail von Frau Marolt erhalten habe, war ich ziemlich happy. Auch wenn du bei Persopower in der company immer noch dein Festgehalt bekommst, wäre es shiny, wenn du dieselbe Quote erfüllen würdest wie die anderen."

(Seite 113)


Charaktere
Protagonist in diesem Buch ist Andreas Seifeld, 28 Jahre alt und Gefangener im Callcenterstrudel. Wie so viele Mitarbeiter hat er sich seinem Schicksal gefügt und kommt täglich in die Hölle, um für wenig Geld einen Scheißjob zu machen. Es kommt mir soooo bekannt vor und gerade deshalb war er so sympathisch. Ich habe mich in einigen Punkten einfach stark wieder erkannt
Seine beiden Kumpel sind Freunde, wie sie jeder haben sollte - da wenn man sie braucht , aber trotzdem ehrlich. Besonders Hakans Sprüche haben mir sehr viel Freude gemacht. Er war der coole Sprücheklopfer, während Andy doch eher im Hintergrund stand. Perfekte Voraussetzung ewig im Callcenter hängen zu bleiben.
Die Chefs - übrigens eine verblüffende Ähnlichkeit zu meinen Ex-Chefs, na nu? :D - waren sehr gut getroffen und ich habe das Gefühl, dass Callcenter nur von solchen Menschen geführt werden können. Die unsympathischsten Leute unter der Sonne und auch so kamen sie rüber. Wunderbar!
Aber auch die handvoll Charaktere die Andy privat begleiten sind glaubwürdig und in einem gesunden Maß dosiert :)

Atmosphäre/Umgebung
Bei der Callcenterbegehung zu Beginn bekam ich eine unangenehme Gänsehaut. Wie ich den Weg zur Arbeit immer gehasst habe, weil Callcenter einfach keine schönen Orte sind.
Wie hieß es im Buch so schön 'der letzte Kreis der Hölle' - aber sowas von. Man fühlt sich da einfach nicht wohl. Weder im Buch, noch in der Realität.
Es gab aber auch lustige, nicht deprimierende Moment - nicht das nun ein falsches Bild vom Buch aufkommt. Und auch diese waren glaubhaft und oftmals zu schießen komisch.
Denn der liebe Andy hatte eine Hang zu Krankenhäusern ;) 
Leider ging in diesen Momenten ab und an die Atmosphäre unter. Im Gegensatz zu den Callcentermomenten, hatte ich hier Schwierigkeiten mich einzufinden.  

Cover
Das Cover gefällt mit sehr. Lange habe ich überlegt, was man stattdessen hätte nehmen können, aber mir fiel nichts ein. Das Headset an sich hätte schon gereicht :D 
Dazu der lächelnde Mund, denn Lächeln soll man ja bei Sprechen, das hört man am anderen Ende der Leitung ;) 

Fazit                                                                                       .

Ein echtes Männerbuch! (Das musste an dieser Stelle nochmal gesagt werden) Witzige Momente aus dem Leben eines Callcenter-Agent und dem Menschen hinter der Stimme am Telefon.
Es geht nicht nur um die Arbeit in einem Callcenter, sondern auch um die alltäglichen Probleme, die jeder von uns auch kennt. Ein toller Roman, mit viel Witz und überraschenden Momenten. 



1 Kommentar:

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