Montag, 6. Oktober 2014

[Rezension] Sorry von Zoran Drvenkar

Hallo ihr Lieben,

ich hatte mir dieses Buch von einem Freund ausgeliehen und kam irgendwie nie zum Lesen. Aber dann hab ich es einfach mal in die Hand genommen und letztes Wochenende durchgelesen.
Es hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es etwas anders war, als ich es mir vorgestellt hatte. Das kann aber unter anderem an dem, nicht so vorhandenem Talent des Herren liegen, den Inhalt von Büchern wiederzugeben ;)
Ihr Angebot rüttelt die Geschäftswelt auf, denn sie entschuldigen sich für die Vergehen von Unternehmen. Sie bieten den Schuldigen Unterstützung an und helfen den Opfern. Sie selbst verdienen viel Geld damit, die vier jungen Berliner, die diese clevere Geschäftsidee hatten, irgendwann, bevor der Terror anfing. Immer mehr Menschen erleichtern über sie ihr Gewissen - bis ihnen eines Tages jemand den Auftrag erteilt, eine Tote um Verzeihung zu bitten für die unvorstellbaren Qualen, an denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit: Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter. Zoran Dvrenkars verstörender Roman erzählt auf zwingende Weise von einer Welt, in der wir der Gewalt nicht mehr ausweichen können.
Die Idee eine Firma zu Gründen, die sich für andere entschuldigt, finde ich genial. Von so etwas habe ich auch noch nie gehört und kann mir auch gut vorstellen, dass das eine sehr lukrative Geschäftsidee ist. Entschuldigen muss sich immer irgendjemand. Und wenn es dann eine Firma gibt, bei der man sich seine Schuldgefühle freikaufen kann - dann fließt das Geld.
Und die vier Freunde nehmen ja auch nicht jeden Auftrag an. Oma Else die sich bei ihrer Nachbarin entschuldigt, wird gar nicht beachtet. Es sind eher die großen Firmen und die heiklen Entschuldigungen, die sie annehmen und die auch Geld bringen.

Nicht nur die Idee, sondern auch der Schreibstil hat es mir angetan. Drvenkar schreibt die Kapitel abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten - das mag ich immer sehr gerne, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, bei Thrillern passt das auch immer ganz gut. Das Beste oder verwirrenste waren aber immer die Teile, die er aus der Sicht der Leser schrieb - die 'DU'-Kapitel. Für mich etwas, was sich ganz stark von anderen Büchern abhebt und einen Wiedererkennungswert hat.

Im Großen und Ganzen dreht sich das Buch um die vier Freunde Frauke, Tamara, Wolf und Kris.
Von den Vieren fand ich Frauke und Wolf am realistischen - sie wirkten ehrlich und authentisch.
Gerade in dem Punkt, wo es um die Leiche geht und den Auftrag dazu.
Frauke und Wolf haben eine gesunde Einstellung dazu - sie rasten aus.
Kris und Tamara hingegen nehmen mir das ein bisschen zu locker. Kris wirkt schon fast kalt, wie ein Roboter. Ihn habe ich bis zum Ende des Buches nicht einschätzen können - für mich war er die ganze Zeit ein einziges Rätsel.
Und von Tamara hätte ich solch eine kalte Reaktion auch nicht erwartet, das sie zu Beginn so zerbrechlich, in sich gekehrt und nachdenklich wirkte. Da passt das Zusammentreffen mit der toten Frau nicht zusammen und wirkt dadurch auch unglaubwürdig.
Aber alles in allem, waren es vier Freunde die sich lange kannten und zusammenpassten. Vielleicht war es gerade die Freundschaft der vier, die die Defizite in der Charaktertiefe zu Beginn ausbügelte und nicht so bemerkbar machte.
Doch mit fortlaufender Geschichte rückten Tamara und Kris immer mehr in den Vordergrund und da machte sich das Defizit dann doch bemerkbar.
Für mich ist es einfach nicht nachvollziehbar, wie 'normale' Menschen (bei Pathologen kann ich es echt verstehen) beim Anblick einer Leiche nicht so reagieren, wie es angemessen ist.
Klar es ist ein Thriller, aber das Druckmittel hielt sich auch in Grenzen - für mich ein Minuspunkt.

Die Atmosphäre hat wiederum einiges rausgerissen. Sie wirkte mysteriös und düster. Auch das neue zu Hause der Vier - die Villa - hatte einen faden Beigeschmack.
Es wirkte trotz Vermögen und der Tatsache das sie dort lebten leer.
Auch, das es in dem Buch um Kindesmissbrauch ging, machte die Atmosphäre unerträglich. Es gibt nichts schlimmeres, als sich so eine Szenerie vorstellen zu müssen.

Das Cover passt zum Buch. Kein großer Schnickschnack. Schwarzer Hintergrund und darauf das weiße Wort 'sorry' - wer das Buch liest erkennt sofort den Zusammenhang.
Manchmal kann ein Cover auch minimalistisch überzeugen.
Das Buch hat mir sehr gefallen. Durch den Wechsel zwischen den Protagonisten und der Vergangenheit und Gegenwart des Mörders, wurde es unglaublich spannend gehalten. Ein paar Minuspunkte gibt es für die fehlende Sympathie der Charaktere, aber ansonsten war es ein sehr gutes Buch.

1 Kommentar:

  1. Hallihallo Novemberkind! :-)

    Ich wollte dich fragen, ob ich deine Rezension von "Sorry" verlinken darf?
    Ich bin nämlich hier Mitglied: https://bloggervernetzt.wordpress.com/ und dort sammeln wir zu allen möglichen Büchern Rezensionen - und von den unterschiedlichsten Blogs - und verlinken sie dort. Das soll nämlich irgendwann zu einem ganz großen Blogger-Rezensions-Netzwerk werden. ;-) Habe ich deine Erlaubnis? :)

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    AntwortenLöschen

Lasst eure Gedanken hier - sie für sich zu behalten, ist wie einen Kuchen backen und alleine essen. Es macht keinen Spaß :)