Samstag, 29. August 2015

[Rezension] Das Hexenmädchen von Max Bentow

Hallo ihr Lieben,

endlich hatte ich mal wieder Zeit Bücher zu lesen, die mir gefallen - nicht, dass mich die Bücher für die Uni nicht interessieren, aaaaaaaber .... *schnarch* Und für mich wurde es nun endlich mal Zeit, was für die Seele zu lesen. Dazu wurde dieses Buch auserkoren. Ich war mutig und habe mich trotz meiner häufigen Enttäuschungen in dem Genre an einen Psychothriller gewagt.

Der Berliner Kommissar Nils Trojan und sein Team geraten in einen wahren Alptraum, als sie fieberhaft im Fall eines neuen Serientäters ermitteln. Drei Opfer wurden kurz nacheinander tot in ihren Wohnungen aufgefunden, ebenso groteske wie grausame Weise ermordet - und mit jeder Stunde, die vergeht, muss Trojan fürchten, an einen weiteren Schauplatz gerufen zu werden. Dann sind plötzlich zwei kleine Mädchen unauffindbar, und Trojan wird das Gefühl nicht los, dass ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht. Denn beide sprachen kurz vor ihrem Verschwinden von einer "Hexe", die sie in Angst und Schrecken versetzte. Und warum musste Trojan beim Anblick der Toten unwillkürlich an ein bekanntes Kindermärchen denken?
Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen, so sehr, dass ich mir auch die anderen Teile der Nils-Trojan-Reihe besorgt habe. Die stehen nur brav und zum Lesen bereit im Regal - schön schaut es aus, alle farblich ähnlich - hübsch. Nun aber zum Inhalt...

Bentow hat einen flüssigen Schreibstil, das Buch habe ich nur so verschlungen. Seine Kapitel schreibt er aus unterschiedlichen Sichtweisen. Das verwirrte mich anfangs, da ich es beispielsweise von Viveca Sten gewohnt war, dass dieser Perspektivwechsel immer mit einem neuen Kapitel beginnt - jedes Kapitel war aus der Sicht einer Figur geschrieben. Bei Bentow war das anders. Er sprang zwischen den Protagonisten innerhalb eines Kapitels. Im Laufe des Buches fand ich diese Sprünge wunderbar, da man nie weiß was als nächstes passiert, da jeder Zeit ein Wechsel stattfinden könnte.

Protagonist war Nils Trojan, Kommissar in Berlin. Ich habe Trojan sofort in mein Herz geschlossen und lustiger Weise in Gedanken mit jemanden verbunden den ich kenne, wahrscheinlich war er mir deshalb sympathisch und ich habe ihm diese Rolle abgekauft. Mir gefiel sein persönliches Engagement den Fall zu lösen. In anderen Büchern fahren alle Ermittler immer brav zur Familie und scheinen alles für eine Weile zu vergessen, aber nicht Trojan - oder zumindest lässt Bentow das nicht so wirken. Der Fall beschäftigt Trojan, hält ihn wach.
Das macht die Story so greifbar und fast realistisch. Ließ eine gewisse Anspannung nicht vergehen - machte aufmerksamer gegenüber den Aussagen und den Geschehnissen.
Als störend empfand ich Trojans Ex-Frau - gut vielleicht wird sie zu einem passenden Teil, wenn man die anderen Teile auch gelesen hat. Aber hier hat sie mich gestört. Sie wirkte wie eingeschoben und nervte mich mit ihren Aktionen - total unsympathische Frau, wahrscheinlich ist sie deshalb auch die Ex-Frau. Doch auch Therapeutin Jana war in diesem Band irgendwie merkwürdig - ihre Gefühle und Beweggründe, sich merkwürdig zu verhalten, habe ich verstanden und waren auch verständlich, aber sie reagierte komisch und auch ein Stück zu launisch - ich war und bin noch immer verwirrt. Vielleicht werde ich auch aus dieser Frau erst durch die anderen Teile schlau oder sie ist einfach ein Scheißcharakter - ich werde das herausfinden.

Ich bin ja immer pingelig, wenn es um deutsche Thriller geht. Oft sind sie so langatmig und die Story ist alles andere nur nicht rasant. Dieses Buch aber hat mich überrascht - ein-, zweimal hab ich mich bei dem hibbeligen Gedanken 'nun macht schon!' ertappt. Die Atmosphäre war unheimlich und es gibt so spezielle Themen, wie in diesem Buch, die mir immer sehr nahe gehen und die ich als sehr beklemmend empfinde. Bentow hat es gut umgesetzt, ähnlich wie Dvenkar in 'Still'. Es lief mir oft ein Schauer über den Rücken. Das Ende hat mich überrascht, es war nicht vorhersehbar - was bei vielen schlechten Storys der Fall ist - und sehr gut umgesetzt. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, die Geschichte bewege sich zu langsam oder zu schnell - auch zum Ende hin hatte ich nicht den Eindruck, man müsse etwas dramatisches, schneller schaffen. Es war alles perfekt getimed und gut abgeschlossen.

Coverporn!! Eigentlich habe ich mich in das Cover verliebt und dann den Klappentext gelesen. Der klang super interessant und schwupp, war das Buch durchgelesen. Zum Inhalt passt der Fuchs allerdings nicht, denn ich weiß nicht, wie ich ihn mit einer Hexe verbinden soll? Haben Hexen Füchse? Eher Krähen oder? Das Cover ist trotzdem super schön, auch wenn es nicht so zum Inhalt passt - sagt mir, wenn ich mich irre und ihr wisst wie ein Fuchs zur Hexe passt ;)
Sehr schönes Buch. Ich mag solche Protagonisten wie Nils Trojan - authentisch, sympathisch und mit so viel Liebe zu seiner Arbeit. Für mich stimmt hier so einiges: die Atmosphäre, die Geschichte, der Verlauf und die Charaktere - mit ein paar Ausnahmen. Wer also auf einen soliden Thriller mit brisantem Thema Lust hat, ist hier richtig.


1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Ich bilde mir ein, dieses Buch erst vor kurzem mit einem anderen Cover gesehen zu haben, wo ein anderes Motiv drauf war ... Vielleicht Weltbild-Verlag? Die machen ja oft andere Cover drauf. Trotzdem denke ich mir, dass der Fuchs in groß wirklich sehr geil aussehen würde. Schade eigentlich, denn derzeit sieht man auf Rollup Displays und anderen Leinwänden eigentlich nur dunkle Motive ("Grey" zum Beispiel oder der neue Lagercrantz) ...

    Liebe Grüße
    Leonie

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