Sonntag, 18. Oktober 2015

[FBM 2015] Hektik ist nichts für mich ... ⚓

⚓ Heimat - Norden - du windiger, stiller Ort, nirgends wäre ich lieber als hier! ⚓

Ja, ich bin ein Eichhörnchen auf Speed. Aber ich hab unglaublich viel zu tun. Ich bin immer so. Keine Hektik, einfach meine Natur.
Hin und her - selten Ruhe, immer beschäftigt. Ich springe auf, weil ich irgendwas vergessen habe. Mitten im Supermarkt hört man mich in der Tiefkühlabteilung "Nein, ich hab die Tomaten vergessen!" schreien. Ich bin vergesslich und muss meist zwei-, dreimal laufen. Aber das ist okay.
Im Job bin ich der Entertainer, das Trostpflaster, die Ersatzmama, der Spielkamerade und das Kuschelkissen. Immer auf zu neuen Abenteuern im Minutentakt. Das Leben, die Arbeit verlangen das so. Ich komme abends nicht runter, brauche Ewigkeiten zum Einschlafen.

Doch dann sitze ich in der Bahn nach Hamburg, um Bücher an der Uni anzugeben und merke, dass ich der entspannteste Mensch bin. Jeder will der Erste sein, der ein- oder aus- oder drübersteigt. Keiner ist hilfsbereit, wenn die ältere Frau nicht aus dem Abteil kommt - nach mir die Sintflut, aber schnell. Plötzlich bin ich gar kein Eichhörnchen mehr - zumindest nicht auf Speed, eher auf Valium.
Ich beobachte diese Menschen und es ist anstrengend.

Auf der Buchmesse am Wochenende habe ich es auch wieder gemerkt. Diese Hektik. Etwas zu verpassen, etwas nicht zu sehen, etwas nicht ab zubekommen. Ich werde nie wieder an einem Samstag zur Buchmesse fahren, dass ertrage ich nicht. Dieses drängeln und schubsen.
Die Rennerei, die Rücksichtslosigkeit - sowas versaut einen den ganzen Tag. Am Ende hatte ich nicht mal mehr Lust noch irgendeine Halle zu erkunden.
Ich war genervt und fand es traurig - ich hab den ganzen Weg von Hamburg nach Frankfurt auf mich genommen und eine Nacht im Hotel verbracht, um nach ein paar Stunden schon genervt zu sein. Warum sind alle so unglaublich hektisch und gierig? Ekelhaft. Diese Drängeleien sobald irgendwas ausgepackt wurde ... es wurde sofort zugegriffen, obwohl die meisten nicht mal wussten, was sie da überhaupt erbeutet hatten. Und wehe es war 'nur' was zu Naschen. Kranke Welt.
Mein kleines Tütchen ist nur mit den Sachen gefüllt, die mich auch wirklich interessiert haben. Ein paar Postkarten, damit ich mir die Bücher merken kann, die ich toll finde - da fällt mir auf, dass ich noch eine Liste machen muss. Auf meinem Handy habe ich nicht mehr als 10 Bilder von der Messe, weil ich vor lauter Köpfen, Hinterköpfen, Menschentrauben und riesigen Gepäckstücken nicht wirklich Fotos machen konnte. Überall staute es sich und statt mal an der Seite zu stehen, bremste man immer mitten im Gang - ich war noch nie so genervt, wie gestern. Grausam. Ich werde die nächsten Tage die blauen Flecken zählen von den ganzen Tüten, Ellenbogen, Koffern und was nicht noch alles.

2015 ist nicht mein Jahr - ich bin froh, wenn es endlich vorbei ist und zähle schon die Tage. Der Hektik zeige ich den Mittelfinger, soll die dahin zurück, wo sie herkommt. Aus den Großstädten. Lass mich in meiner Kleinstadt in Frieden. Ich steige aus der Bahn und sie fährt weiter - hier ist es ihr zu ruhig. Ich atme tief ein - kalte und feuchte Luft. Heimat, Ruhe - du hast mich wieder.

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