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[Rezension] Ich will doch bloß sterben, Papa von Michael Schofield

Ich habe dieses Buch entdeckt und war sofort Feuer und Flamme. Mir gefallen autobiographische Romane mit 'Schwere'. Ich finde Geschichten von starken Menschen in extremen Situationen spannend, ich bewundere auch die Mutter meines Babysitterkindes (er hat das Down-Syndrom) für ihren unerschütterlichen Mut und Kampf gegen alltägliche Ungerechtigkeiten. Eine Tolle Frau.
Zurück zum Buch. Der Titel lockte mich, denn das Thema Schizophrenie ist kein alltägliches.
Seit Jahren versuche ich nachzuvollziehen, wie es möglich sein kann, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch Menschen, ja selbst Ärzte gibt, die einfach nicht akzeptieren wollen, dass Schizophrenie auch im Kindesalter auftreten kann. Es bestürzt mich, wie viele Menschen mir schreiben, Jani sei von Dämonen besessen und müsse exorziert werden. Letztendlich läuft es auf ein und dasselbe hinaus: Verleugnung.
Doch als Jani mir erklärte, sterben zu wollen, ging mir endlich auf, wo diese Verleugnung ihre Wurzeln hat. Man hält an den Missbrauchsvorwürfen und der Dämonenthese fest, weil das Halt bietet. Die Vorstellung einer realen und ganz und gar unerklärlichen Krankheit ist zu beängstigend. Wenn Jani an Schizophrenie erkranken kann, dann kann es jeden von uns treffen. Und für viele ist die Vorstellung einfach nicht zu ertragen, dass dazu nicht mehr nötig ist als ein kleiner Kurzschluss im Hirn.
Wie immer finde ich autobiographischer Bücher sehr schwer zu rezensieren, denn am Verlauf der Story gibt es wenig zu meckern, dass ist wirklich so passiert. Da kann man nicht sagen, es sei zu überspitzt - es passierte so.
Dieses Buch machte mir mal wieder bewusst, was für ein verdammtes Glück man hat, gesund zu sein. Und das man sich glücklich schätzen kann, wenn das größte Problem seiner Familie unaufgeräumte Zimmer und ein nicht eingehaltener Haushaltsplan ist.

In dem Buch schreibt Michael Schofield über seine Tochter January - kurz Janni, ganz kurz Jani. Jani war von Beginn an anders als andere Kinder. Um sie zum Schlafen zu bekommen, wird Jani bis zur Ermüdung bespaßt, die Belohnung sind ein paar Minuten Ruhe.
Michael und seiner Frau Susan dämmert es schnell, dass Jani anders ist. Sie kann schon früh laufen und sprechen, schneller als andere Kinder und vor allem einwandfrei.
Aber nicht nur das macht sie besonders - auch ihre eigene Welt und ihre imaginären Freunde, zu denen sie einen innigen Kontakt pflegt.
Michael und Susan beginnen die Ursache für Janis 'Eigenarten' herauszufinden und werden fündig. Sie ist hochintelligent.
Als die Familie Schofield weiteren Nachwuchs erwartet und Janis Bruder Bohdi einzieht, beginnt alles aus den Fugen zu geraten. Jani hat den Drang ihren Bruder zu schlagen, sobald dieser weint. Etwas das sie nicht abstellen kann und was unerwartete Aggressionen in ihr auslöst. Jani merkt auch, dass sie es nicht kontrollieren kann. Michaels und Susans Leben gerät aus der Fassung, als sie beginnen Jani helfen zu wollen.

Es ist ein tolles Buch, von starken Eltern. Es macht Mut und gleichzeitig unglaubliche Angst. Die pure Verzweiflung und die blanke Angst, seinem Kind nicht helfen zu können wird auf den Seiten deutlich. Die unerschütterliche Kraft und der Glaube eines Vaters, eine Lösung - eine Diagnose zu finden und seinem Kind zu helfen.
Eine unglaublich starke Familie. Nicht nur, weil sie Jani und ihre Launen ertragen, sondern auch, weil sie es geschafft haben sich weiterhin zu lieben und zueinander zu halten. Einfach stark und einfallsreich, aufopfernd und kreativ - zu allem bereit und unerschütterlich. Vollste Empfehlung!




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