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review: Projekt Orphan - Gregg Hurwitz


Hej,
ich habe bei vorablesen.de mal wieder eine Menge Glück gehabt. Nicht nur, dass ich ein paar Titel die mir gut gefielen auch zugesandt bekommen habe, sondern auch, dass so vieles Interessantes für mich dabei war. ‚Projekt Orphan‘ von Gregg Hurwitz fand ich in der Leseprobe sehr ansprechend, das Buch selbst hat mich dann im Hinblick auf meine Erwartungen ein bisschen enttäuscht.
1-855-2-NOWHERE – „Brauchst du meine Hilfe?“
Evan Smoak ist der „Nowhere Man“. Ein unter Verbrechern angstvoll geflüsterter Name, den manche für einen Spuk halten. Er kämpft für diejenigen, die keinen Ausweg mehr haben. Dies ist seine Art, sich seine Menschlichkeit zu erhalten, nachdem er jahrelang unter dem Decknamen „Orphan X“ im geheimen Auftrag der US-Regierung getötet hat. Während er einer Jugendlichen hilft, den Fängen eines Mädchenhändlerrings zu entkommen, wird er überwältigt und entführt. Jetzt muss Evan all sein Können aufbringen, um sich selbst zu befreien, bevor es zu spät ist …
Denn es gilt weiterhin sein 10. Gebot: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben.
Gregg Hurwitz ist Drehbuchautor in Hollywood. Das merkt man beim Lesen auch. Zuletzt habe ich seinen Namen beim Film ‚The book of Henry‘ gelesen. Das Buch war vom Schreibstil her flüssig und gut zu lesen. Die Seiten flogen nur so an mir vorbei. Das gefiel mir gut. Zwischendrin war es dank der sehr detaillierten Beschreibungen von Waffen, IT-Abläufen, Kampfangriffen und Kampfszenen unglaublich langatmig und langweilig. Ab und zu hatte ich das Gefühl ein Drehbuch in der Hand zu halten und wartete regelrecht darauf, dass jemand plötzlich ‚cut!‘ schreit.
Unter diesen vielen detaillierten Beschreibungen litt ein bisschen die Atmosphäre. An sich war die Story spannend und auch rasant, wenn der Verlauf durch die Beschreibungen nicht immer in die Länge gezogen worden wäre. Das hat mich total gestört. Für einen Thriller war es mir nicht spannend genug, ich fieberte nicht auf die nächste Szene hin, da ich Angst hatte, dass sie wieder mit einer langen Lagebeschreibung anfing. Dies hat mir das Buch echt ein bisschen madig gemacht. Auch den Verlauf an sich hatte ich mir anders vorgestellt, der Part mit dem Mädchenhändlerring ist sehr klein gehalten – Evans Fluchtversuche nehmen fast das ganze Buch ein. Nach knapp 300 Seiten habe ich nach Erlösung gebettelt, für mich und für Evan. Der Rest der Story folgte dann Schlag auf Schlag – da hat Hurwitz für mich falsche Prioritäten gesetzt.
Dabei bin ich Feuer und Flamme für Evan Smoak! Anfangs dachte ich, er sei ein aalglatter super Ex-Agent, der alles kann und unverwundbar ist, denn so wirkte er die ersten Seiten. Eine tödliche und präzise Maschine. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt und das machte ihn so sympathisch. Mir gefiel besonders der Humor, den er auch in brenzligen Situationen behielt. Auch gefiel mir, dass viele Rückblenden in seine Vergangenheit stattfanden. Das machte ihn menschlich. Mir stieß kein Nebencharakter sauer auf, teilweise habe ich mich über einige (auch, wenn sie nur eingeschoben wurden) wirklich gefreut. Sie zeigten Seiten an Evan, die man nicht vermuten würde. Die Gegenspieler waren wirklich abgrundtief böse, aber auch Evan war nicht zimperlich. Das gefiel mir richtig gut. Was Gregg Hurwitz mit der Atmosphäre vermasselt hat, machten die Charakter teilweise wieder gut.
Die Szenen im Buch waren teilweise sehr brutal und schmerzvoll. Die Abläufe sehr rasant, ein Wechselspiel zwischen Verzweiflung und Erlösung. Und dann kam immer wieder die Langatmigkeit. Es hätte so ein gutes Buch sein können, wären da nicht die etlichen – zu ausführlichen – Erklärungen gewesen. Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie gewisse Kicks und Schläge in einigen Kampfsportarten heißen – hätte es mich sonderlich interessiert, wie die Herren sich im Buch gegenseitig zermatschen, hätte ich Google nutzen müssen. Eine Kampfszene kann auch ohne ‚Fachbegriffe‘ gut umgesetzt werden. Da meinte Hurwitz es zu gut.
Ich will aber nicht immer darauf rumreiten, denn es gab auch viel Gutes im Buch. Mich haben einige Szenen erstaunt, deren Werdegang ich so nicht erwartet hätte und das machte den Verlauf natürlich sehr spannend. Dennoch war es für mich bei Weitem kein Thriller, dafür fehlte es einfach an Spannung. Und leider ereigneten sich diese Szenen auf zu kurzem Zeitraum im Buch.
Wer auf Action und eine Menge Blut steht, macht bei dem Buch nichts falsch. Ein bisschen Gefühl ist auch vorhanden – nicht im Sinne von Romantik 🙂 Gut zum Lesen zwischendurch. Keine Buch von unglaublich viel Inhalt, eher ein gewalttätiges Feuerwerk. Viel Lärm um nichts sozusagen. Dennoch lesbar!

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