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review: Durst – Jo Nesbø

Hej,
letztes Jahr habe ich ’Durst‘ von Jo Nesbo beendet. Ich nehme es mir zwar immer wieder als Ziel, auch im neuen Semester mehr nicht-fachbezogene Literatur zu lesen, aber es klappt kaum. Sobald das neue Semester begonnen hat, stauben die Romane ein. Blöd, aber auch das hat irgendwann ein Ende. Somit habe ich es jetzt endlich mal geschafft, einen Eindruck vom Buch zu verfassen. Nicht, dass mich fast jede Buchhandlung immer wieder daran erinnert, weil ‚Durst‘ immer überall präsent ist.
Wenn das Eis unter dir bricht …
Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Osloer Polizei hat keine Spur. Der einzige Spezialist für Serientäter, Harry Hole, ist aus dem Polizeidienst ausgestiegen. Doch Holes alter Chef Mikael Bellmann setzt ihn unter Druck und zwingt ihn in die Ermittlung. Da verschwindet eine weitere junge Frau, ausgerechnet eine Kellnerin aus Holes Stammlokal. Und der Kommissar muss sich der Wahrheit stellen, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist.
Ich habe mich beim Lesen so sehr geärgert, dass ich mich nicht schon früher an die Romane von Jo Nesbo getraut habe, denn ich bin regelrecht verliebt in Harry Hole. Einige mögen ihn als arrogant und eigenbrödlerisch abstempeln, aber gerade im Umgang mit seiner Frau bemerkt man, wie humorvoll und ehrlich er ist. Ich bin ein großer Fan solcher ‚Ermittler‘. Sie haben was eigenes, wirken nicht wie Übermenschen, die Identifikation mit solchen Charakteren fällt einem leichter und macht das Buch interessanter.
Das neuste Werk von Nesbo wartet mit einer großen Charakterbandbreite auf. Es sind Charaktere da, die der Leser sofort ins Herz schließt, wie Rakel und Oleg. Natürlich gibt es eine handvoll Menschen, die den Posten des Unsympathischen einnehmen. Die armen naiven Seelen sind auch mit an Bord und die gemütlichen Ermittler, dessen Privatleben eher einem Trümmerfeld, als einem Zuhause gleicht. Die perfekte Mischung, gepaart mit einer interessanten Storyline. Nesbo legt nicht einfach nur einen Geschichtsverlauf ab, er verflicht einzelne Stränge so gut zusammen, dass ein komplexes Geflecht entsteht, welches sich auf den ersten Blick nicht entwirren lässt. Nesbo jongliert zwischen Sympathie und Abneigung und zieht den Leser so in seinen Bann. Er versteht es unsympathische Charaktere interessant wirken zu lassen, sodass der Leser gar keine andere Wahl hat, als das Buch weiter zu lesen.
Die Story ist sehr aktuell und erschreckend einfach. Nicht die Taten an sich, sondern die Situationen in denen es passiert. Wir geben in der heutigen Zeit fremden Personen im Social Media Bereich viel zu viel preis und treffen uns fast kopflos mit völlig Unbekannten. Dies macht sich der Mörder in Nesbos Buch scheinbar zum Vorteil. Eine blutige (also wirklich blutige) und rasante Jagd nach einem Vampiristen-Mörder auf knapp über 600 Seiten. Auf keiner der Seiten dachte ich, dass das Tempo mal angezogen oder entschleunigt werden könnte. Lediglich zum Schluss dachte ich kurz:“Das war es?“ Ich war unzufrieden, wurde dann doch noch zufrieden gestellt, auch wenn mir das Ende nicht gefiel. Mit Ende meine ich die Aufklärung und den Menschen hinter den grausamen Morden. Es passte für mich nicht und wirkte überzogen, als hätte man sich kurz vor Schluss für ein anderes Ende entschieden. Und das fand ich wirklich schade, es war so ein tolles Buch.
Interessant hingegen war, dass das Buch mit einem offenen Ende aufwartete. Das hätte ich nicht erwartet und ich glaube, dass Hole noch ein weiterer Bekannter im nächsten Buch begegnet.

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